Wie alles begann – Es waren die atmosphärisch dichten Illustrationen von Zeichnern wie Tomi Ungerer oder Gertrude Degenhardt, die bei mir früh nachhaltigen Eindruck hinterliessen. Später waren es die düsteren Comics von Thomas Ott, die Mangas von Katsuhiro Otomo genauso wie die schillernden und vitalen Characters von Street Artist Mode 2 und vielen seiner Zeitgenossen. Gezeichnet habe ich von jeher gerne und viel, und geprägt vom Schaffen dieser Künstler schärfte ich meinen Sinn für die verschiedenen Stilmittel.

 

 

In den Jugendjahren entdeckte ich dann die Vielgestaltigkeit der Basler Kunst- und Kulturszene. Ich mag es ebenso sehr, in meiner Schweizer Heimatstadt unterwegs zu sein wie in richtig grossen Städten oder abgeschiedenen Landschaften. Wo immer ich mich befinde liebe ich es, Menschen und ihren Geschichten zu begegnen. Das Zeichnen und nachfolgend das Modellieren blieb dabei stets das Mittel der Wahl, meinen Eindrücken Ausdruck zu verleihen. 

 

Über die Fotografie zum Figurenbau – An der Kunstgewerbeschule und bei People- und Werbefotograf:innen lernte ich dann, mit Licht, Kamera, im Labor und am Computer meinen Gestaltungstrieb zu professionalisieren. Die Fotografie befand sich mitten im Wandel vom analogen ins digitale Zeitalter. Ich sog alles auf, was das Medium zu bieten hat. Neben zunehmenden Fotoaufträgen für Portraits und Reportagen fand ich besonderen Gefallen an fantastischen Still Lifes und Fotomontagen in Photoshop. Im Kontrast dazu entdeckte ich nach der Geburt der Kinder die Notwendigkeit und die Lust darauf, Kreatives wieder mehr mit den Händen zu erschaffen. So begann ich damit, Puppen für meine zwei Töchter zu bauen und zu spielen.

 

 

Vom Bau zum Spiel – Bald begeisterte ich mich für legendäre Puppenspieler und -bauer wie Richard Teschner, Igor Fokin oder Frank Soehnle und für Figuren-/ 3D-Gestalter:innen wie Irma Gruenholz oder Chris Sickels. Vom heimischen Puppenspiel kam es dann wie von selbst zum anspruchsvollen Figurenbau und der szenografischen Arbeit. Und es lag auf der Hand, auch die Fotografie daran anzuknüpfen.

 

Die erste Anfrage für eine Inszenierung kam bald: Ich hatte Carte Blanche und damit die künstlerische Aufgabe, Figuren, die vielen Bilder im Kopf und meine herumstromernde Fantasie in eine Geschichte zu giessen. Schnell stand fest, es braucht Hilfe und nach einem ersten Spielversuch mit Clivia Mira war klar, dass sie nicht nur einzelnen Figuren Leben einhauchen kann sondern der ganzen Produktion entscheidenden Aufwind gibt.

 

 

Neue Perspektiven und Aufbruch – Aus dem initialen schöpferischen Drang wurde Passion und Profession. Gewichtige äußere Umwälzungen haben den letzten Anstoß gegeben: Ausser einem erweiterten Ort für die Berufsfotografie wurde mein Homeoffice zum Raum für neue Perspektiven und führte 2021 zur Gründung von Simons Figuren Atelier. Clivia Mira gehört seit 2022 zum Team und ein wachsendes Netzwerk an Kulturschaffenden zum unterstützenden Freundeskreis. Jene Uraufführung unseres Erstlingswerks «Marie, Tristan und das Tier» zeigte uns schliesslich, dass neben dem Figurenbau das Figurentheater einen ganz besonderen Platz in unserem Schaffen einnehmen würde. Und dass wir damit viele kleine sowie grosse Menschen berühren und verbinden.

 

Simon Bielander